In Österreich führt der Energieausweis bisher– aus gutem Grund – ein Schattendasein. Denn was die Energiepolitiker versprachen, hat er nicht gehalten. Käufer und Mieter sollten durch den Ausweis dazu gebracht werden, möglich energiesparende Häuser und Wohnungen anzumieten bzw. zu kaufen. Durch diese verstärkte Nachfrage nach Objekten mit niedrigen Energiekosten erhofften sich die Erfinder des Energieausweises, dass Vermieter und Verkäufer vermehrt in energiesparende Maßnahmen investieren – eine Hoffnung, die sich bis heute nicht erfüllt hat.
Mehrere Gründe sind dafür verantwortlich.
Einerseits gibt es derzeit nicht genug Wohnungen am Markt. Die Nachfrage ist eindeutig höher als das Angebot – damit gibt es für Mieter oder Käufer aber auch nur wenig bis keine Auswahl zwischen unterschiedlichen Objekten. Der Energieverbrauch spielt daher nur eine sehr bescheidene Rolle bei der Auswahl. Andererseits gibt der Ausweis auch nur wenig Auskunft über die tatsächlichen Energiekosten. Er errechnet vielmehr nur eine Kennzahl, die ähnlich wie beim Auto einen Normverbrauch darstellen soll. Während man beim Auto als Konsument schon ein Gefühl dafür hat, was es bedeutet, wenn ein Auto 10 oder 5 Liter Benzin auf 100km verbraucht, weil man selbst tankt und die Rechnung für den Brennstoff auch sofort bezahlen muss, ist das bei den Heizkosten anders. Wie hoch die Energiekosten für ein Haus sind, wenn es den Kennwert A oder G hat, ist den meisten unbekannt. Zwar sagt der Buchstabe „A“ aus, dass das Haus einen guten Dämmstandard hat und damit einen niedrigen Verbrauch haben sollte – dennoch gibt es in der Praxis Häuser, die zwar einen A Standard haben, aber dennoch hohe Energiekosten verursachen.
Warum ist das so?
Weil der Kennwert derzeit nur den Dämmstandard angibt, aber nicht die Art des Heizsystems berücksichtigt. So gibt es zB. Häuser mit guten Dämmstandards, aber deren Warmwasseraufbereitung wird auch im Sommer durchgehend mit Öl aufgeheizt. Das führt, schon aufgrund der enorm gestiegenen Ölkosten zu höheren Energiekosten als bei jenen Gebäuden, deren Warmwasser im Sommer mittel Sonnenenergie (thermische Solaranlage) erwärmt wird. Dieser Unterschied wurde bis dato in der Kennzahl aber nicht berücksichtigt. Das soll nun anders werden.