94 Prozent aller Wohnungen zählen heute zur höchsten Ausstattungskategorie. Wie es dazu kam – und wohin sich der Standard entwickeln wird.
In den 1970er-Jahren war eine Wohnung ohne eigenes Bad oder WC für hunderttausende österreichische Haushalte Alltag. Heute zählen mehr als 94 Prozent aller Hauptwohnsitzwohnungen zur höchsten Ausstattungskategorie A. Ein Blick auf diesen Wandel zeigt, wie sehr sich zeitgemäßes Wohnen verändert hat.
Laut Statistik Austria lag die Zahl der Hauptwohnsitzwohnungen 2025 im Jahresdurchschnitt bei rund 4,18 Millionen,
44 Prozent davon Mietwohnungen. Etwa jeder dritte Haushalt lebt in einer Wohnung, die nach 1990 errichtet wurde.
Der eigentliche Wandel des Wohnens zeigt sich aber weniger an der Bauperiode als an der Ausstattung. Was unterscheidet die vier Kategorien?
A: über 30 m², mit Bad/Dusche, WC, Zimmer, Küche, Vorraum sowie Zentralheizung oder Fernwärme und Warmwasseraufbereitung.
B: wie A, jedoch ohne Zentralheizung, Etagenheizung oder Warmwasseraufbereitung.
C: mit Wasserentnahmestelle und WC im Inneren, aber ohne Bad/Dusche.
D: ohne Wasserentnahmestelle oder ohne WC im Inneren.
Wie stark sich der Bestand seither verschoben hat, zeigt der Vergleich zwischen 1971 und heute: Damals zählten gerade einmal 15 Prozent aller Hauptwohnsitzwohnungen, rund 358.000, zur Kategorie A. 2025 sind es bereits mehr als 94 Prozent, rund 3,94 Millionen Wohnungen.
Noch deutlicher fällt der Wandel am anderen Ende der Skala aus: 1971 gab es in Österreich rund 735.000 sogenannte »Substandard«-Wohnungen der Kategorie D, bis 2025 sank diese Zahl auf etwa 21.000. Waschraum und Gangtoilette, einst fixer Bestandteil vieler Wiener Zinshäuser, sind aus dem Bestand nahezu verschwunden. Eigentümerinnen und Eigentümer wie Mieterinnen und Mieter investierten seit den frühen 1980er-Jahren massiv in Kategorieanhebungen
und holten sich den Wohnkomfort so Stück für Stück in die eigenen vier Wände.
Wohnkomfort, der sich weiterentwickelt
Was für die Generation der Kohleöfen unvorstellbar war, ist heute Standard – und der Maßstab verschiebt sich weiter. Denn die Ausstattung von Wohnraum bleibt ein fortlaufender Prozess, der sich an den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner orientiert. Außenrollos, Markisen, Klimaanlagen und Balkonkraftwerke halten zunehmend Einzug in zeitgemäßes Wohnen – ganz so, wie einst Bad und Zentralheizung ihren Weg vom Luxus zur Selbstverständlichkeit fanden. Was heute noch als Sonderausstattung gilt, wird wahrscheinlich schon in den kommenden Jahren zur Standardausstattung zählen.
Foto: Carl Zapletal - Online-Sammlung des Wien Museums